Was hat uns die Sonnenfinsternis 2017 über die Energiewende gelehrt?

Den Schlagzeilen zufolge könnte die Sonnenfinsternis 2017 in den Vereinigten Staaten die höchsten Beobachterzahlen aller Zeiten gehabt haben. Mit einer vollständigen Sonnenfinsternis, die in 14 Staaten zu sehen war, und einer partiellen Sonnenfinsternis, die man in allen 50 Staaten beobachten konnte, wurde das spektakuläre Ereignis von Millionen von Amerikanern und wahrscheinlich ebenso vielen Menschen online beobachtet.  Diejenigen, die die Sonnenfinsternis allerdings am aufmerksamsten verfolgen sollten, sind die Akteure der Sonnen- und … Windenergiebranche..

Der unvermeidliche Einfluss der Sonnenfinsternis auf die Solarenergie …

In unserer heutigen Zeit, in der große Anstrengungen zur Umstellung auf saubere Energie unternommen werden, kann selbst eine partielle Sonnenfinsternis für ein Land, das von Solarenergie abhängig ist, einen gewaltigen Unterschied machen.

Der Anteil der Solarenergie an der gesamten Stromerzeugung lag 2016 in Kalifornien bei fast 10 %. Gemäß den Schätzungen von CAISO, einem unabhängigen Betreiber, der die meisten Hochspannungsleitungen des Staates verwaltet, könnte das gestrige Ereignis die Leistung der Solaranlagen im Golden State um 6 GW reduziert haben. Wenn man berücksichtigt, dass sich Kalifornien nicht einmal in der Zone mit einer „vollständigen Sonnenfinsternis“ befand, vermittelt uns dies eine Vorstellung von den möglichen Auswirkungen der Finsterniszyklen auf unsere Stromerzeugungskapazitäten.

Was hat uns die Sonnenfinsternis 2017 über die Energiewende gelehrt

… und auf die Windindustrie

Interessanterweise gilt dies gleichermaßen für die Windkraft! Einfach ausgedrückt kommt Wind deswegen auf, weil sich die Erdoberfläche ungleichmäßig erwärmt. Wenn auf Teile des Planeten direkte Wärme einstrahlt und diese wärmer bleiben als andere, bewegt sich warme Luft, die leichter ist als kalte, nach oben und bewirkt eine Bewegung der kühlen Luftmassen. Dies bedeutet, dass während einer Sonnenfinsternis weniger Wind entsteht. Tatsächlich lässt die Analyse der meteorologischen Einflüsse der Sonnenfinsternis in Europa im Jahr 2015 den Schluss zu, dass die Windgeschwindigkeiten in Großbritannien während der Sonnenfinsternis um durchschnittlich 9 %* gesunken sind!
Sporadische Ereignisse, wie eine Sonnenfinsternis, werden auch weiterhin vorkommen. In einem Jahr wird China ebenfalls von einer partiellen Sonnenfinsternis betroffen sein. Da der Staat die weltweit umfangreichsten Investitionen in saubere Energien vornimmt, ist es höchste Zeit darüber nachzudenken, wie man den Energiewandel vorantreiben kann, ohne die Zuverlässigkeit der Stromnetze aufs Spiel zu setzen.

Während Kohle und Gas heute weiterhin ein „Sicherheitsnetz“ im Fall von Einbrüchen bei Sonnen- und Windenergie darstellen, brauchen wir verschiedene erneuerbare Energiequellen in unserem Energiemix, darunter Wasserkraft, Erdwärme und Bioenergie, um die Zuverlässigkeit unserer Energieanlagen auch in einer grüneren Zukunft sicherzustellen. Einige der vielversprechenden Projekte in diesem Bereich, wie z. B. das "grüne NordLink -Kabel das den Austausch von Wasser- und Windenergie zwischen Norwegen und Deutschland ermöglicht, werden mittlerweile in die Tat umgesetzt.

Die wichtigste Erkenntnis, die wir aus der gestrigen Sonnenfinsternis in den USA ziehen, besteht letztendlich darin, dass der Energiewandel nicht auf die Grenzen eines Staates oder eines Landes beschränkt werden kann. Wenn wir das Ziel verfolgen, eines Tages zu 100 % erneuerbare Energien zu nutzen, sollten internationale Kooperationen der Grundpfeiler unserer Energiestrategie sein.

 

Von Steven Vermeulen, Executive Vice President der Region Amerika, Nexans

 

* Universität Sheffield