Innovativer Unterwasserbagger Spider von Nexans ebnet den Meeresboden in 1000 m Tiefe vor der Kabelverlegung

Für das schwierige Gelände am Meeresboden des Ormen Lange-Gasfeldes auf dem norwegischen Kontinentalschelf hat Nexans ein neues Unterwasser-Baggerfahrzeug für den Einsatz auf  steilem Gelände entwickelt.

Das Pionier-Projekt Ormen Lange wird von dem Betreiber-Unternehmen Hydro erschlossen. Das Gasvorkommen liegt in einem Bereich der Norwegischen See mit schwierigen Boden-, Klima- und ozeanografischen Bedingungen, die es zu einem der weltweit anspruchsvollsten Gas-Erschließungsprojekte  machen.  

OTC Houston, 2. Mai 2005 - Nexans, weltweit führendes Unternehmen der Kabelindustrie, hat einen innovativen Unterwasserbagger mit der Bezeichnung "Spider" entwickelt. Der Spider ist das einzige Gerät, dass technisch in der Lage ist, steiles Gelände am Meeresboden für die Kabelverlegung zu ebnen. Bei dem Gerät wurden Raupenantriebe mit Gelenkarmen kombiniert, wodurch es auch auf sehr unebenem Meeresboden mit Gefällen bis zu 35° eingesetzt werden kann. Der Spider wurde auf der Basis der Konstruktion des bewährten Capjet Kabeleinspülsystems entworfen, wobei auf die über 15-jährige Erfahrung in Entwurf, Konstruktion und Betrieb von Unterwasserfahrzeugen zurückgegriffen werden konnte.

Kombination modernster Technologien

Der Spider wurde mit einem hochentwickelten Steuerungssystem ausgestattet und für den Einsatz in Meerestiefen von ca. 1000 m entwickelt. Die Bewegungen des Spiders werden vom Bedienungspersonal auf dem Versorgungsschiff gesteuert, von dem aus alle Bewegungen über ein spezialisiertes ‚Launch & Recovery System' (ein System zum Aussetzen und Einholen des Geräts) kontrolliert werden. Stromversorgung und Signalübertragung zwischen Schiff und Spider erfolgen über ein von Nexans entwickeltes und geliefertes Versorgungskabel.

Während des Betriebs verfolgt das Bedienungspersonal über Unterwasser-Kameras alle Bewegungen des Spiders. Wird die Sicht durch aufgewirbeltes Material vom Meeresboden behindert, steht ein dreidimensionales, virtuelles Computerbild als Alternative zur Verfügung. Das virtuelle Bild des Meeresbodens wird von einem Überwachungssystem an Bord erstellt und in das Datensystem des Spiders überspielt. Nach Beginn der Baggerarbeiten werden bei Bedarf neue Terrain-Vermessungen zur Bestätigung der erstellten Meeresboden-Profile vorgenommen.

Neue  Capjet -Entwicklungen

Standard Capjet Grabenzieher graben Kabel und Pipelines im Meeresboden ein und decken sie bei ihrer Fahrt entlang den Kabeln und Pipelines gleichzeitig ab. Spezielle,  Spülschwerter brechen den Boden mittels Wasserstrahl auf und schaffen so den Graben für die Kabelverlegung.

Der Spider hat eine andere Aufgabe. Diese besteht darin, den Meeresboden in einem bestimmten Bereich mittels einer Kombination aus Wasserstrahl- und Ansaug-Funktionen zum Beseitigen großer Bodenmengen zu ebnen. Hierfür wird zum Abdecken aller Arbeitsvorgänge ein Grabekopf an einem ausfahrbaren Arm eingesetzt. Speziell für den jeweiligen Einsatz kann der Teleskoparm auch mit entsprechend konstruierten Grabeköpfen, Schneidwerkzeugen und sonstigen Werkzeugen bestückt werden.

Während viele der wichtigsten Bauteile der Capjet-Technologie entnommen sind, basieren Räder/Beine, Teleskoparme und Schwenkvorrichtungen des Spiders auf der Weiterentwicklung einer hochentwickelten, in der Forstwirtschaft eingesetzten Erntemaschine (Menzimuck). Für den Unterwassereinsatz dieses Systems erwarb Nexans alle Offshore Rechte.

Der Spider - eine Spezialentwicklung für das Ormen Lange Projekt

Auf der Suche nach einer geeigneten Lösung für ein sehr schwieriges Terrain am Meeresboden nahm Hydro, das Betreiberunternehmen für das Ormen Lange Gasvorkommen, 2002 mit Nexans Kontakt auf, um Möglichkeiten für die Einebnung des steilen und unebenen Meeresbodens entlang den Pipeline- und Verlegestrecken zu besprechen. Es wurden verschiedene Möglichkeiten einer Modifizierung des Capjet-Designs erörtert, bevor Nexans mit völlig neuen Vorschlägen für die Entwicklung der Spider Technologie auf den Plan trat.

Die wichtigsten Konstruktionsgrundlagen des Spiders wurden von Nexans-Ingenieuren in Norwegen - mit Unterstützung verschiedener Lieferanten von Spezialausrüstungen - entwickelt. Dies erforderte auch eine enge Zusammenarbeit mit dem norwegischen Unternehmen GTO, das eine Bagger-Technologie auf der Basis einer Unterwasser-Saugstrahlpumpe entwickelt hat. Diese Technology wurde in die Spider-Konstruktion integriert. Schließlich wurden die Geräte im Nexans-Werk in Halden / Norwegen gebaut und zum Versorgungsschiff gebracht.

Der erste Spider wurde 2004 im Ormen Lange Gasfeld getestet. Nach weiteren Tests im Bereich des Kristiansunds in Norwegen, arbeitet das System inzwischen im Ormen Lange Projekt und soll während der gesamten Sommersaison dieses Jahres dort im Einsatz bleiben. Seit der Inbetriebnahme wurde der Spider laufend verbessert. Eine neue, stärkere Version ist inzwischen betriebsbereit. Um die Baggerkapazität zu erhöhen, sind gegenwärtig beide Spider auf dem gleichen Schiff im Einsatz.

Neue  Marktnische

Neben Bagger-Arbeiten kann der Spider auch als vielseitig einsetzbares Unterwasserfahrzeug für unterschiedliche Aufgaben auf dem Meeresboden eingesetzt werden. Für diesen Bereich wird Nexans neue Marktnischen erschließen.

Da der Spider auf der Basis der Capjet-Technologie konstruiert und ausgerüstet wurde, kann er auch in einen normalen Capjet-Bagger  umgebaut werden, um die zukünftige Kapazität von Nexans im Bereich des Kabelverlegemarktes zu erhöhen.